Die Neuordnung der Bauindustrie: Wer sind die Gewinner in der Bauwelt von morgen?


Capmo Redaktion
13.7.2026
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Capmo für GeschäftsführerDie KONKRET 2026 war vollgepackt mit konkreten Einblicken, echten Projekterfahrungen und einem klaren Signal: Die Digitalisierung der Baubranche hat Fahrt aufgenommen. In dieser Serie greifen wir die Inhalte der Vorträge noch einmal kompakt auf. Für alle, die dabei waren und nochmal nachlesen möchten, und für alle, die es verpasst haben.
In seinem Vortrag auf der KONKRET 2026 stellte Harald Professner, langjähriger Innovationstreiber bei Rhomberg, eine unbequeme These in den Raum: Die Baubranche hat in den letzten 25 bis 30 Jahren kaum Fortschritt gemacht – und das zu einer Zeit, in der der Druck von allen Seiten wächst.
Sein Ausgangspunkt waren zwei Fotos: ein Stadtpalast aus dem Jahr 1873 und ein Gebäude aus 2019, die sich in Schwarz-Weiß kaum voneinander unterscheiden. Oder zwei Passivhäuser in Holzbauweise – eines aus 1997, eines aus 2019. Der einzige Unterschied: Die Holzschalung ist einmal horizontal, einmal vertikal. Kein struktureller Fortschritt. Kein neuer Prozess. Nur eine andere Ausrichtung der Bretter.
Das, so Professner, ist das eigentliche Problem der Baubranche: Wir bauen nach wie vor Prototypen. Jedes Gebäude wird von Architekten, Fachplanern und ausführenden Firmen neu erfunden. Es gibt keinen Loop, keine Weiterentwicklung, kein Produkt im eigentlichen Sinne. Und das in einer Branche, die für 40 % des weltweiten CO₂-Ausstoßes und 50 % des Ressourcenverbrauchs verantwortlich ist.
Der Prozess ist das Problem
Was die Lage besonders verschärft: In spätestens fünf Jahren werden zwischen 20 und 25 % der Erwerbstätigen im Baubereich aus dem Markt ausgeschieden sein. Fachkräfte aus Polen, Spanien oder Portugal, die bislang die Lücken geschlossen haben, werden zunehmend in ihren eigenen boomenden Heimatmärkten bleiben. Wer dann noch auf konventionelle Baustellen angewiesen ist, wird ein ernstes Problem haben.
Harald Professners Diagnose ist klar: Der Bauprozess ist fragmentiert, veraltet und hat zu viele Akteure ohne echte Verbindung untereinander. Planer und ausführende Firmen – also die beiden Parteien, die am engsten zusammenarbeiten müssten – haben in der Regel keinen gemeinsamen Vertrag. Und solange das so bleibt, wird sich nichts grundlegend ändern. Auch BIM allein sei hier keine Lösung.
„Ein schlechter Prozess bleibt ein schlechter Prozess. Wer nur in 3D plant, aber dann wieder konventionell baut, hat nichts gewonnen.”
Die Lösung: Vom Projekt zum Produkt
Professners Antwort auf diese Situation ist konsequent: Die Baubranche muss industrialisiert werden. Nicht mit einer Riesenfabrik, die alles zentral produziert, sondern dezentral, mit bestehenden Strukturen und Handwerksbetrieben, die zu Produktionsstätten für vorgefertigte Komponenten werden.
Das Prinzip dahinter klingt simpel: Bauen wie Lego. Nicht weil Gebäude trivial sind, sondern weil die Montage auf der Baustelle so einfach sein sollte, dass Fehler sichtbar werden, bevor sie entstehen. Farblich markierte Bohrungen, passgenaue Komponenten, klare Zuordnung. Kein Messen, kein Anpassen, kein Nachjustieren.
Das setzt voraus, dass die Planung wirklich fertig ist, bevor die Ausführung beginnt – mit durchgeplanter Konstruktion, definierten Toleranzen und einer Logistik, die die richtigen Komponenten zur richtigen Zeit an den richtigen Ort bringt. Die Wertschöpfung verlagert sich damit von der Baustelle in die Werkstatt. Dort sind Bedingungen besser, Fehler leichter kontrollierbar und Prozesse skalierbarer.
Und was mit dem fertigen Gebäude passiert, denkt Professner ebenfalls weiter: Ein Building Operations System – ähnlich dem Betriebssystem eines Smartphones – würde es ermöglichen, Gebäude dauerhaft zu verwalten, Wartungen vorherzusagen und Änderungen digital durchzuspielen. Statt nach der Schlussrechnung zu hoffen, dass der Kunde die nächsten 30 Jahre nicht anruft.
5 Impulse, die Sie aus diesem Vortrag mitnehmen
- Die Baubranche baut seit Jahrzehnten Prototypen – und das ist das Problem. Jedes Gebäude wird neu erfunden, jeder Fehler neu gemacht. Solange kein Produkt-Denken entsteht, wird auch keine Skalierung möglich sein.
- BIM löst das Problem nicht. Wer in 3D plant und dann konventionell baut, hat den entscheidenden Schritt noch nicht gemacht. Technologie entfaltet erst dann Wirkung, wenn der Prozess dahinter neu gedacht wird.
- Der demografische Wandel ist kein abstraktes Zukunftsproblem. In fünf Jahren werden 20–25 % der Erwerbstätigen im Baubereich fehlen. Wer seinen Prozess nicht bis dahin umgestellt hat, wird auf einem sehr engen Arbeitsmarkt sehr teuer einkaufen müssen.
- Vorfertigung ist keine Nische, sondern die logische Konsequenz. Wenn Fachkräfte auf der Baustelle knapper werden, muss die Wertschöpfung dorthin verlagert werden, wo die Bedingungen besser sind: in die Werkstatt. Das senkt Fehler, Kosten und Rüstzeiten – und macht Qualität reproduzierbar.
- Investoren wollen Produkte, keine Einzelstücke. Wer Investoren künftig überzeugen will, braucht ein Angebot mit Preisschild, Terminplan und definierten Qualitätsstandards. Das ist nur möglich, wenn dahinter ein Produkt steckt – kein individuell geplantes Einzelbauwerk.
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Die KONKRET 2026 hat gezeigt, wie weit die Digitalisierung der Baubranche schon gekommen ist – und wohin sie sich entwickelt. Wer die Diskussionen und Inhalte weiterverfolgen möchte, hat am 19. November 2026 die nächste Gelegenheit.
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